Storytelling im Tourismus- & Hotelmarketing

|

Mario Vogelsteller

Storytelling im Tourismus und Hotelmarketing macht Reiseerlebnisse greifbar und hilft Gästen, sich ihren Aufenthalt schon vor der Buchung vorzustellen. Wer sich mit dem Thema Content-Marketing beschäftigt, wird immer häufiger auch mit dem Konzept konfrontiert.

Denn spätestens seit Google’s Panda-Update ist den meisten Website-Betreibern klar geworden, dass gute Google-Rankings nicht allein durch künstlichen Linkaufbau erzielt werden: Gute Inhalte sind für die Sichtbarkeit auf den Ergebnisseiten der Suchmaschinen mindestens genauso wichtig. Beim Storytelling geht es darum, Geschichten zu erzählen: Geschichten von den eigenen Produkten oder den gebotenen Dienstleistungen. Erst mit ihrer Geschichte fangen die Produkte an zu leben und erzählen, was Sie so besonders macht. Auch im Hotel- und Tourismusmarketing genügt es nicht mehr, nur schöne Bilder von den Hotelzimmern ins Internet zu stellen: Wer Urlaub macht, möchte ein angenehmes Erlebnis haben, von dem er seinen Freunden erzählen kann.

Storytelling im Tourismus- & Hotelmarketing: Machen Sie Fakten interessant

Mit einer guten Story können Sie Marken und Produkten Leben einhauchen. Die Geschichte hilft Ihnen, Ihre Corporate Identity zu unterstreichen. Potentielle Gäste und Kunden können sich auf diese Weise nicht nur besser an Ihr Unternehmen erinnern, sondern bekommen darüber hinaus auch Gefühle wie z.B. Sicherheit, Vertrauen oder einen gemeinsamen Sinn für Humor übermittelt. Ein Beispiel, bei dem das Storytelling inzwischen hervorragend funktioniert, sind Stadtführungen in historischen Kostümen, bei denen der Nachtwächter oder eine andere Figur ihre Geschichte lebendig erzählt. Da werden aus historischen Jahreszahlen, wie sie früher einfach heruntergerattert und sofort wieder vergessen wurden, spannende Geschichten. Mit einem guten Storytelling sind insbesondere im Tourismus- und Hotel-Marketing die Menschen zu begeistern. Wer weiß, was seine Kunden interessiert, wer seine Zielgruppe kennt und es vor allen Dingen versteht, sie dort abzuholen, wo sie stehen, der wird sich deutlich von seinen Mitbewerbern abheben und die Kunden emotional an sich binden. Mit einer guten Geschichte entsteht schnell eine emotionale Bindung, zudem lassen sich mit Storytelling die Produkte und Dienstleistungen wesentlich attraktiver darstellen. Mit einem guten Storytelling fällt es Mitarbeitern ebenso wie Kunden und Interessenten leicht, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren.

Mit Storytelling wird eine Marke lebendig

Auch im Hotel- und Tourismus-Marketing geht es darum, die eigene Dienstleistung als Marke aufzubauen. Ohne eine eigene Story und ein gelungenes Storytelling ist das fast unmöglich. Zu vielen erfolgreichen Unternehmen gibt es eine Gründungsgeschichte, in der erzählt wird, wie die Umstände der Gründung waren und welche Ziele verfolgt wurden. In einer solchen Gründungsgeschichte lassen sich die Visionen und Werte besonders glaubwürdig erzählen und sie verleihen der Marke, dem Hotel oder dem Restaurant, ein wirkliches Leben. Wichtig hierbei ist, dass die Geschichte über das Wesen der Marke, die entsprechende Essenz, auf allen Kanälen, analog wie digital, konsequent und gleich ist.

Ein schönes Beispiel für Storytelling in der Hotellerie ist der Auftritt der Tannenburg in Nentershausen: http://www.tannenburg.de, die sich sowohl digital als auch analog „in Echt“ als lebendige mittelalterliche Burg präsentieren.

Neben der eigenen Website oder dem Firmenblog eigenen sich natürlich auch die Social Networks wie Facebook, Twitter und Pinterest ideal dafür, den Followern eine spannende Geschichte zu erzählen. Probieren Sie es doch einmal selbst, z.B. mit kleinen Geschichten zu Ostern, Weihnachten oder Halloween oder über den nächsten Firmenausflug. Und wenn Ihre Geschichte besonders gut erzählt ist, wird Sie bestimmt sogar von anderen Blogs verlinkt oder in den Sozialen Netzwerken geteilt, was sich wiederum positiv auf die SEO auswirkt.

Wie entwickelt man eine Geschichte?

Eine gute Geschichte beginnt mit einer konkreten Erfahrung. Überlegen Sie zunächst, welche Erfahrungen z.B. Gäste in einem Hotel machen können und welche Bedeutung diese Momente für sie haben. Aus diesen Erfahrungen lassen sich fünf Elemente zu einer Erzählung zusammenfügen:

  1. Hauptfigur: Wählen Sie eine Person, deren Perspektive Ihre Gäste nachvollziehen können. Das kann ein Gast, eine Mitarbeiterin oder der Gastgeber sein. Ein gutes Beispiel ist eine Besucherin, die nach einer anstrengenden Arbeitswoche ein Wochenende im Hotel verbringt.
  2. Ausgangssituation: Zeigen Sie, wie die Hauptfigur ankommt. Sie möchte abschalten, schaut aber noch immer auf ihr Telefon und hat den Kopf voller Termine. Solche Details machen die Situation anschaulicher als die allgemeine Aussage, dass Ihr Hotel Erholung bietet.
  3. Herausforderung: Was steht dem Wunsch der Hauptfigur im Weg? Die Besucherin hat wenig Zeit und findet zunächst keine Ruhe. Die Herausforderung muss nicht dramatisch sein. Sie sollte zu den Erfahrungen Ihrer Zielgruppe passen.
  4. Veränderung: Erzählen Sie, was während des Aufenthalts geschieht. Nach einem persönlichen Tipp der Gastgeberin lässt die Besucherin ihr Telefon im Zimmer und entdeckt einen ruhigen Spazierweg. Am nächsten Morgen nimmt sie sich Zeit für das Frühstück. An diesen Momenten wird sichtbar, wie sich ihr Erleben verändert.
  5. Botschaft: Fragen Sie zum Schluss, was die Geschichte über Ihr Hotel aussagt. In diesem Beispiel lautet die Botschaft: Hier finden Menschen auch bei einem kurzen Aufenthalt Raum zum Abschalten. Sie müssen diesen Satz nicht als Werbeversprechen in die Geschichte schreiben. Die geschilderten Erlebnisse vermitteln ihn bereits.

Woher kommen die Geschichten?

Die besten Geschichten entstehen oft im Hotelalltag. Sammeln Sie zunächst Beobachtungen und Gespräche: Welche Momente erzählen Gäste beim Auschecken? Worauf sind die Mitarbeitenden besonders stolz? Notieren Sie solche Hinweise, bevor die Details verloren gehen.

  • Fragen Sie Gäste nach Erlebnissen, die ihnen in Erinnerung geblieben sind. Vielleicht hat ein Gast durch einen Tipp des Rezeptionsteams einen Ort entdeckt, den er sonst übersehen hätte. Lassen Sie sich schildern, was passiert ist und warum dieser Moment für ihn oder sie besonders war. Klären Sie vor der Veröffentlichung, ob Sie seinen Namen, seine Worte oder Fotos verwenden dürfen.
  • Im Team finden sich Geschichten, die Außenstehenden verborgen bleiben. Eine Köchin kann beispielsweise erzählen, weshalb ein bestimmtes Gericht auf der Speisekarte steht. Ein Mitarbeiter an der Rezeption weiß möglicherweise, welche Fragen Gäste vor ihrer ersten Wanderung stellen und wie er ihnen bei der Planung hilft. Fragen Sie nach konkreten Situationen.
  • Sprechen Sie mit Personen aus der Region, die Ihr Hotel und seinen Standort prägen. Ein örtlicher Guide kann von einer besonderen Route berichten und eine Produzentin von ihrer Zusammenarbeit mit der Hotelküche.
  • Halten Sie fest, wer Ihnen eine Begebenheit erzählt hat, und fragen Sie bei unklaren Details nach. Prüfen Sie Namen, Orte und zeitliche Abläufe. Geben Sie wörtliche Zitate zur Freigabe und holen Sie die Zustimmung ein, bevor Sie persönliche Erlebnisse oder Bilder veröffentlichen.

Leitgeschichte und Markenkern

Einzelne Geschichten entfalten mehr Wirkung, wenn sie auf einer gemeinsamen Idee beruhen. Diese Idee ergibt sich aus dem Markenkern: Wofür steht Ihr Hotel? Was können Gäste dort erleben? So entsteht ein roter Faden für Ihre Geschichte.

Beginnen Sie mit der Positionierung. Ein familiengeführtes Hotel am Waldrand könnte beispielsweise für kurze Auszeiten in der Natur stehen. Fragen Sie sich dann, wen Sie ansprechen möchten. Berufstätige Gäste, die für ein Wochenende anreisen, interessieren sich vermutlich für andere Erlebnisse als Familien, die ihren Sommerurlaub planen.

Für ein Hotel könnte die Positionierung zum Beispiel wie folgt lauten:

Bei uns finden Menschen auch an einem freien Wochenende Zeit, die Natur in ihrem eigenen Tempo zu entdecken.

Dieser Satz dient zunächst als Orientierung für die Inhalte. Aus ihm lassen sich viele einzelne Geschichten entwickeln: Ein Gast erzählt von seinem ersten Spaziergang nach der Anreise. Eine Mitarbeiterin stellt ihren liebsten Weg durch den Wald vor. Beide Geschichten beleuchten einen anderen Moment, vermitteln aber die gleiche Vorstellung vom Aufenthalt.

Prüfen Sie jede neue Idee anhand dieser Leitgeschichte:

  • Zeigt sie etwas, das Ihr Hotel ausmacht?
  • Ist das Erlebnis für Ihre Zielgruppe interessant?
  • Ist die Geschichte vor Ort nachvollziehbar?

So entsteht mit der Zeit ein roter Faden, ohne dass sich die Beiträge wiederholen oder jeder Text denselben Werbesatz enthalten muss.

Kanäle und Formate

Eine gute Geschichte muss nicht für jeden Kanal neu erfunden werden. Entscheidend ist, welchen Teil davon die Gäste im jeweiligen Moment erfahren möchten. Nehmen wir das Hotel am Waldrand: Eine Besucherin, die eine anstrengende Woche hinter sich hat, kommt an und entdeckt auf Empfehlung des Teams einen stillen Weg, auf dem sie zum ersten Mal seit Tagen Ruhe findet.

  • Auf der Website kann daraus ein ausführlicher Beitrag entstehen. Beschreiben Sie den Weg aus der Sicht der Besucherin und zeigen Sie mit eigenen Fotos, was sie unterwegs entdeckt hat. Ergänzen Sie praktische Informationen wie die Dauer und den Ausgangspunkt der Route.
  • In einem kurzen Video auf TikTok oder einem Instagram-Reel hingegen reicht ein einzelner Moment: Die Besucherin verlässt das Hotel, folgt dem Waldweg und bleibt an einem Aussichtspunkt stehen. Bilder und Geräusche vermitteln die Stimmung.
  • Per E-Mail vor der Anreise teilen Sie nur die Informationen mit, die bei der Reiseplanung helfen: „Wenn Sie nach Ihrer Ankunft noch etwas frische Luft schnappen möchten, zeigen wir Ihnen gern unseren liebsten kurzen Spazierweg.“ Ein Link führt zur Geschichte auf der Website.

Während des Aufenthalts wird die Geschichte erlebbar. Das Team kann den Weg persönlich empfehlen und eine kleine Karte bereithalten. Die Gäste entdecken den Ort dann selbst und nehmen ihre eigene Erinnerung mit nach Hause.

Wie lässt sich die Wirkung von Storytelling messen?

Legen Sie vor der Veröffentlichung einer Geschichte fest, was Sie damit erreichen wollen. Ein Beitrag über einen Wanderweg kann beispielsweise dafür sorgen, dass mehr Menschen die Website besuchen. Eine Geschichte über einen Aufenthalt im Hotel soll vielleicht dazu beitragen, dass Interessierte eine Anfrage senden oder ein Zimmer buchen. Je nach Ziel sind andere Kennzahlen aussagekräftig.

  • Sichtbarkeit: Soll eine Geschichte über Suchmaschinen gefunden werden, prüfen Sie, für welche Suchanfragen die Seite erscheint und wie oft sie angeklickt wird.
  • Interesse: Prüfen Sie, ob Leserinnen und Leser von der Geschichte zu passenden Zimmern, Angeboten oder weiteren Informationen wechseln. Bei einem Video können Sie prüfen, wie oft es angesehen und wie lange es betrachtet wird.
  • Qualifizierte Anfragen: Erfassen Sie, wie viele Personen nach dem Besuch der Geschichte das Kontaktformular nutzen oder über einen dort platzierten Link eine Anfrage stellen.
  • Buchungen: Wenn eine Geschichte auf ein passendes Angebot verweist, können Sie messen, wie viele Gäste auf diesem Weg eine Buchung vornehmen. Fragen Sie im Buchungsprozess oder im persönlichen Gespräch zusätzlich, wodurch Gäste auf Ihr Hotel aufmerksam geworden sind.

Vergleichen Sie die Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Berücksichtigen Sie dabei Saison, Aktionen und andere Marketingmaßnahmen. So sehen Sie, welche Geschichten Menschen erreichen und tatsächlich zu Anfragen oder Buchungen durch Storytelling beitragen.