Senioren sind bereit für digitale Arztservices

|

Mario Vogelsteller

Digitale Angebote im Gesundheitswesen werden von Seniorinnen und Senioren deutlich stärker angenommen als von vielen Praxen vermutet. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom: 92 Prozent der über 65-Jährigen stehen der Digitalisierung im Gesundheitswesen positiv gegenüber. Besonders auffällig ist, dass die Zustimmung bei den Über-80-Jährigen sogar bei 95 Prozent liegt, während die 65- bis 69-Jährigen auf 89 Prozent kommen.

Online-Terminvereinbarung wird bei Senioren Standard, nicht Ausnahme

Für Arztpraxen ist vor allem der konkrete Nutzungszuwachs relevant. Inzwischen vereinbaren 50 Prozent der Deutschen ab 65 Jahren ihre Arzttermine online. Vor fünf Jahren waren es erst 18 Prozent. Weitere 23 Prozent können sich vorstellen, künftig online zu buchen. Das bedeutet für Praxen: Die Online-Terminbuchung ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine echte Erwartungshaltung in einem wachsenden Patientensegment.

Mehr Effizienz durch digitale Erinnerungen und digitale Kommunikation

Auch bei Terminerinnerungen zeigt sich ein deutlicher Anstieg: 37 Prozent der Seniorinnen und Senioren lassen sich bereits per SMS oder E-Mail an Termine erinnern, vor fünf Jahren waren es 18 Prozent. Gleichzeitig geben 47 Prozent an, dass solche Erinnerungen grundsätzlich für sie infrage kommen. Das ist ein klares Signal an Praxen, die ihre Ausfallquoten senken und ihre Abläufe planbarer machen wollen.

Noch spannender für die Patientenbindung ist, dass bereits 19 Prozent direkt per E-Mail, Chat oder Messenger mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt kommunizieren. Weitere 51 Prozent können sich das künftig vorstellen. Wer heute schon sichere, gut strukturierte digitale Kommunikationswege anbietet, kann die Servicequalität spürbar erhöhen und gleichzeitig das Telefonaufkommen reduzieren.

Bewertungsportale gewinnen bei 65+ massiv an Bedeutung

Ein weiterer entscheidender Trend für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie deren Marketing: 41 Prozent der über 65-Jährigen nutzen Online-Vergleichs- und Bewertungsportale für Ärzt:innen. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 12 Prozent. Weitere 27 Prozent können sich vorstellen, dies künftig zu tun. Für Praxen bedeutet das: Die Reputation im Netz ist auch bei älteren Zielgruppen längst ein relevanter Faktor bei der Arztwahl.

Videosprechstunde: geringe Nutzung, großes Potenzial

Telemedizinische Anwendungen wie die Videosprechstunde sind im Alltag bislang allerdings noch selten: Nur 6 Prozent der Seniorinnen und Senioren haben sie genutzt (vor fünf Jahren waren es 2 Prozent). Gleichzeitig ist das Entwicklungspotenzial hoch: 41 Prozent können sich vorstellen, künftig Videosprechstunden in Anspruch zu nehmen.

Methodik der Befragung

Die Daten basieren auf einer telefonischen, repräsentativen Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Befragt wurden 1.004 Personen in Deutschland im Alter ab 65 Jahren. Die Erhebung fand in den Kalenderwochen 38 bis 42 des Jahres 2025 statt. Die Befragten wurden nach ihrer generellen Einstellung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie nach bereits genutzten oder künftig vorstellbaren digitalen Angeboten von Ärzt:innen bzw. Krankenhäusern gefragt.

Quelle: Bitkom